Kunstwerke, die zum Nachdenken anregen – III

Ich sehe eine Figur im Zustand des Dazwischen.

Ein menschliches Gesicht, frontal, aber nicht wirklich präsent. Die Augen wirken offen und zugleich abwesend – als würde der Blick nicht nach außen gehen, sondern nach innen. Das Gesicht ist farblich zerrissen: Blau- und Violetttöne dominieren, kalt, nachdenklich, fast unter Wasser. Wärme ist nur angedeutet, fragmentarisch.

In dieser Arbeit beschäftige ich mich mit dem Zustand des inneren Dazwischen.
Die Figur ist nicht als Porträt gedacht, sondern als Projektionsfläche eines mentalen Zustands. Farbe ersetzt Identität, Auflösung ersetzt Körperlichkeit. Das Gesicht bleibt – nicht als Selbstbehauptung, sondern als letzter Anker.

Die kühlen Blau- und Violetttöne stehen für Rückzug, Innenschau und Distanz. Sie überlagern sich, widersprechen sich, ohne sich vollständig zu klären. Der Körper löst sich im Malprozess bewusst auf; er verliert an Bedeutung gegenüber dem inneren Erleben. Was sichtbar bleibt, ist kein fertiges Ich, sondern ein Moment des Werdens.

Die geometrischen, architektonischen Fragmente im Bild verweisen auf Ordnung, auf Struktur, vielleicht auch auf gesellschaftliche oder mentale Konstrukte. Sie stehen im Spannungsfeld zur organischen, verletzlichen Figur.
Ich male keinen Zustand der Ruhe, sondern einen Moment der stillen Entscheidung – kurz bevor oder kurz nachdem etwas Inneres verschoben wurde.

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