Ich habe ein Gesicht gemalt,
das nicht weiß, woher es kommt
und keine Ahnung hat, wohin es geht.
Zur falschen Zeit am falschen Ort in einem Körper, der sich nicht richtig anfühlt.
Nichts ist eindeutig. Nicht die Herkunft, nicht das Ziel, nicht einmal das eigene Spiegelbild.
Er existiert in einem Zustand des Dazwischen –
zwischen Vergangenheit und Möglichkeit,
zwischen Rolle und Wesen,
zwischen dem, was es ist,
und dem, was es vielleicht hätte sein können.
Die Schichten über dem Gesicht sind keine Masken, sondern Spuren:
Erfahrungen, Zweifel, Fremdzuschreibungen, die sich abgelagert haben.
Es stellt keine großen Fragen mehr. Es erträgt sie.
Nicht zu wissen, wer man wirklich ist, ist hier kein Mangel – sondern der ehrlichste Zustand
Statement
Ich male Menschen/Gesichter im Zustand des Dazwischen. Figuren, die nicht wissen, woher sie kommen, wohin sie gehen und warum alles so ist, wie es ist. Zur falschen Zeit am falschen Ort – im falschen Körper.
Meine Arbeiten kreisen um Identität als offenes Feld: überlagert, fragmentiert, ungeklärt.
Nicht als Suche nach Antworten, sondern als ehrliche Darstellung des Nicht-Wissens.
Vom Bild zum neuen Bild – Übermalung als künstlerischer Prozess
Manchmal verliert ein Bild für mich seine innere Spannung.
Es ist technisch vielleicht gelungen, aber es spricht nicht mehr zu mir. Dann beginne ich nicht mit einer neuen Leinwand – ich beginne mit dem bestehenden Bild.
Das ursprüngliche Motiv zeigte zwei stark reduzierte Figuren. Die Szene hatte etwas Spielerisches, fast Kindliches. Mit der Zeit jedoch hatte ich das Gefühl, dass das Bild seine erzählerische Kraft verloren hatte. Statt es beiseite zu stellen, entschied ich mich für einen radikaleren Schritt: die Übermalung.
Im zweiten Schritt beginnt ein offener Prozess.
Schicht für Schicht verschwindet das alte Motiv. Neue Farben, Lasuren, Spuren und Zufälle entstehen. Formen tauchen auf, verschwinden wieder, werden überarbeitet. In dieser Phase arbeitet das Bild fast gegen mich – und zugleich mit mir. Der ursprüngliche Inhalt löst sich langsam auf und macht Platz für eine neue Bildidee.
Aus diesem Prozess entwickelte sich schließlich ein Gesicht – verletzlich, traurig, vielleicht auch träumend. Die Spuren der Übermalung bleiben sichtbar: Farbläufe, Brüche, Fragmente früherer Schichten. Sie sind Teil der Geschichte des Bildes.
Das neue Gemälde ist damit nicht einfach ein Ersatz für das alte.
Es trägt dessen Vergangenheit in sich.
Übermalung bedeutet für mich deshalb nicht Zerstörung, sondern Transformation. Ein Bild wird nicht beendet – es wird weitergeschrieben.

