Leben und Tod

Das Gemälde thematisiert die existenzielle Gegenüberstellung von Leben und Tod. Zwei Figuren stehen einander gegenüber, nicht als konkrete Personen, sondern als Sinnbilder. Die linke Gestalt erscheint dunkel, schwer und erdnah, ihr Gesicht nur angedeutet. Die ausgestreckte Hand wirkt nicht bittend, sondern wie eine Einladung – oder eine unausweichliche Konsequenz. Rechts steht eine hellere Figur, dem Licht zugewandt, beinahe entrückt. Ihr Blick richtet sich nach oben, als würde sie eine andere Ebene berühren.

Der Raum zwischen den Figuren ist kein neutraler Ort. Er ist aufgeladen, glühend, von Gelb-, Orange- und Rottönen durchzogen. Diese Farben stehen weniger für Wärme als für Entscheidung, für einen Moment höchster Spannung. Überlagerungen von Gesichtern und Formen verstärken den Eindruck, dass es hier nicht um ein eindeutiges Entweder-Oder geht, sondern um einen Zustand, in dem beide Möglichkeiten gleichzeitig existieren.

Im unteren Bildbereich erscheint ein kleines geometrisches Objekt: „Himmel und Hölle“, ein altes Kinderspiel aus gefaltetem Papier. Was harmlos beginnt, wird hier zu einem perfiden Symbol. Das Spiel kennt nur zwei Optionen – Ja oder Nein, Leben oder Tod. Wie beim russischen Roulette liegt die Entscheidung scheinbar im Zufall, tatsächlich aber im Blick und in der Vorstellung des Betrachters.

Das Gemälde überlässt die letzte Wahl nicht den Figuren, sondern demjenigen, der hinsieht. Leben oder Tod – die Antwort entsteht allein in der Fantasie.

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