Dieses Bild ist keine neutrale Beobachtung, sondern eine Anklage.
Die Natur tritt nur noch als Hintergrunderscheinung auf – zurückgedrängt, überlagert, beinahe erstickt von den Zeichen menschlicher Expansion. Die Berge sind zwar noch sichtbar, doch ihr Raum ist beschnitten, ihr Atem genommen. Der freie Blick auf die Landschaft ist verstellt.

Der Vordergrund wird beherrscht von Baukränen, Gerüsten und Maschinen. Sie stehen dicht gedrängt, aggressiv in ihren Farben, dominant in ihrer Präsenz. Gelb, Rot und Blau wirken wie Warnsignale – laut, schrill, unübersehbar. Hier wird gebaut, nicht behutsam, sondern rücksichtslos. Der Mensch breitet sich aus, organisiert, technisch, gnadenlos.
Die vertikalen Tropfspuren lesen sich wie Spuren der Verwundung: als würde die Landschaft auslaufen, ausbluten oder sich auflösen. Himmel und Erde sind nicht mehr klar getrennt; alles scheint in Bewegung, aber nicht im Sinne von Wachstum, sondern von Überformung und Verlust.
Schweres Gerät, Konstruktionen ohne Maßstab, eine Verdichtung, die keinen Raum mehr lässt. Die Idylle der Landschaft existiert nur noch als Erinnerung – sie ist da, aber sie darf nicht mehr wirken. Die Natur wird zur Kulisse degradiert, während der Mensch sich in den Vordergrund drängt und den Raum besetzt.
Dieses Bild zeigt keinen Fortschritt, sondern eine Entfremdung. Es konfrontiert uns mit der Frage, was vom Landschaftsbegriff übrig bleibt, wenn der menschliche Zugriff alles überformt. Der Blick wird gezwungen, sich durch Stahl, Farbe und Struktur zu kämpfen – und genau darin liegt die Anklage: Nicht die Natur hat sich verändert, sondern unser Umgang mit ihr.